Forschungsbericht 2013

  • Forschung und Lehre gehören zusammen wie Max und Moritz, und das nicht erst seit heute. Manchmal ist ein Blick in die Geschichte recht erhellend. Schon die ersten Universitäten, gegründet im Umbruch zwischen Mittelalter und Neuzeit, sollten praktische Bedürfnisse befriedigen, oder besser: Leute ausbilden, die sie optimal befriedigen konnten. Juristen lösen Streitigkeiten des Alltags nach klaren Regeln, Ärzte heilen Kranke, Geistliche ebnen den Weg in ein seliges Jenseits. All das mit gewissen Einschränkungen natürlich. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Technischen Hochschulen eingerichtet, weil die industrielle Revolution gut und systematisch ausgebildete Ingenieure verlangte; ein Bedarf, den die klassischen Universitäten nicht decken konnten oder wollten. Lange wurden diese Hochschulen von den altehrwürdigen Universitäten als nicht ebenbürtig betrachtet; die erst vor gut hundert Jahren zugestandene Möglichkeit der Promotion erfolgreicher Forscher zum „Dr.-Ing.“ war ursprünglich als Differenzierung, wenn nicht gar abwertend gemeint. Heute ist diese akademische Würde mindestens so angesehen wie jeder andere Doktortitel. Die formal darunter angesiedelten sogenannten „Ingenieurschulen“ wurden in den siebziger Jahren zu Fachhochschulen befördert (und ihre Lehrer zu Professoren), und vor kurzem wurden ihnen die Bezeichnung „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“ gesetzlich zugestanden. Nicht ohne Grund: Auch sie hatten sich von technischen Schulen zu Einrichtungen gewandelt, die ihrem Auftrag – praxisnahe Akademiker auf hohem Niveau auszubilden – ohne gleichzeitige Forschung nicht mehr nachkommen konnten. Davon zeugt nicht zuletzt dieserBericht. Damit wiederholt sich in gewisser Weise die Geschichte der Technischen Hochschulen, und wir sind wieder einmal beim Thema Promotion für Absolventen der Fachhochschulen. In diesem Bereich hat sich einiges getan. Zunächst konnten 2013 an der HdM zwei Promotionen gefeiert werden: Dr. Diao Hongzhen, seit vielen Jahren akademische Mitarbeiterin der HdM, wurde an einer chinesischen HdM-Partnerhochschule,der Technischen Universität Xi’an, mit einer wirtschaftswissenschaftlich orientierten Arbeit promoviert, und Dr. Tobias Rausch von der University of the Arts London für eine technische; beide kommen aus der Fakultät Druck und Medien. Xi’an und London. Das belegt zum einen die weltweiten Beziehungen der HdM, zeigt aber auch das Dilemma einer Hochschule, die zwar auf hohem Niveau forscht, aber kein eigenes Promotionsrecht hat. Die HdM zog daraus schon vor Jahren die Konsequenz,Partnerhochschulen mit diesem Recht zu suchen; zunächst im Ausland, weil sich die deutschen Universitäten meist wenig zugänglich zeigten, und sich auch „die Politik“ eher reserviert verhielt. Mit diesen Partnerschaften –teils auf den Einzelfall bezogen,teils vertraglich gesichert – hat die HdM gute Erfahrungen gemacht. In den nächsten beiden Jahren ist mit einer größeren Anzahl von Promotionen zu rechnen; in den Forschungsberichten 2014 und 2015 wird aller Voraussicht nach davon zu lesen sein. Die Haltung der deutschen Beteiligten hat sich in den jüngsten Jahren glücklicherweise geändert. Die Universitäten zeigen sich für die Zusammenarbeit mit Fachhochschulen offener, und die Politik hat das Thema aufgegriffen. Die HdM unterhält mit den Universitäten Stuttgart und Tübingen ein kooperatives Promotionskolleg „Digital Media“, das erfolgreiche Arbeit leistet, dessen erste Doktoranden bis zur Promotion aber noch zwei oder drei Jahre Arbeit vor sich haben; mit weiteren deutschen Universitäten und der (promotionsberechtigten) Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg sind einzelne kooperative Promotionen auf einem guten Weg. Auf der politischen Ebene gehört Baden-Württemberg zu den ersten Bundesländern, die den Weg der Hochschulen für angewandte Wissenschaften zur Promotion ihrer Absolventen durch eine Änderung ihrer Hochschulgesetze ein wenig erleichtern wollen – zunächst nur für handverlesene, als Forscher besonders ausgewiesene Professoren, nur wenn diese im Verbund auftreten, nur für bestimmte Themen, nur für eine gewisse Zeit und nur, wenn die Kooperation mit den Universitäten wider Erwarten nicht funktionieren sollte (letzteres nicht nach dem Entwurf des Gesetzestextes, Stand 15. Februar 2014, aber nach dem erklärten politischen Willen). Die HdM begrüßt diese Entwicklung und wird sie positiv aufnehmen. Sie wird ihre bisher erfolgreiche Arbeit weiterführen und hofft, dass auch hier der stete Tropfen (gelungene Forschungsarbeit nämlich) einen harten Stein weiter höhlen wird. Prof. Dr. Wolfgang Faigle Prorektor für Forschung und Internationale Beziehungen

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Metadaten
URN:urn:nbn:de:bsz:900-opus4-64853
Subtitle (German):Institut für angewandte Forschung - 2013
Contributor(s):Alexandra Wenzel
Other Person(s):Wolfgang Faigle
Document Type:Researchpaper
Language:German
Year of Completion:2014
Creating Corporation:Hochschule der Medien
Contributing Corporation:Institut für angewandte Forschung (IAF)
Release Date:2019/05/09
Pagenumber:194
Access Rights:Frei zugänglich
Licence (German):License LogoCreative Commons - CC BY-NC-ND - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International